Spielsucht: Auswege aus dem Teufelskreis

Glücksspiel macht den meisten Menschen Spaß, kann aber auch eine mehr als dunkle Seite haben und die Spieler völlig aus der Bahn werfen. Die Spielsucht schwebt wie ein Damoklesschwert über den Online-Casinos und war das wichtigste Kriterium bei der Einführung des neuen Geldspielgesetzes im Jahr 2019. Werfen wir einen Blick auf die Verbreitung, die Symptome und Auswege aus dem Teufelskreis.

Ein Blick auf die Schweizer Spiel-Landschaft

Sich dem Glücksspiel hinzugeben, ist in der Schweiz genauso einfach wie anderswo, mit einer breiten Palette an Möglichkeiten, die sich den Spielern bieten. Und die Verlockung ist real. Eine (recht angestaubte) Studie der Eidgenössischen Spielbankenkommission aus dem Jahr 2009 zeigt, dass etwa 0,5% der Bevölkerung als pathologische Glücksspieler eingestuft werden können. Interessant: Obwohl sich die Glücksspiel-Landschaft verändert hat – mit mehr Casinos und einem Boom im Online-Glücksspiel – hat sich der Prozentsatz der Menschen, die ein problematisches Spielverhalten an den Tag legen, kaum verändert. Es fehlt allerdings aussagekräftiges Studienmaterial darüber, wie sich die Situation seit etwa 2015 entwickelt hat, als Smartphones und schnelles Internet Einzug in beinahe jeden Schweizer Haushalt gefunden. Auffällig ist aber, dass Männer siebenmal häufiger von Glücksspielsucht betroffen sind als Frauen.

infodiagramm zur zahl der schweizweiten spielsperren
Die schweizweiten Spielsperren haben in den letzten Jahren exponentiell zugenommen

Was bedeutet Spielsucht wirklich?

Bei der Spielsucht handelt es sich um eine psychische Störung, vergleichbar etwa mit der Kaufsucht oder Magersucht. Betroffene fokussieren sich auf bestimmte Emotionen, die sie beim Spielen erleben – sei es die Flucht aus dem Alltagsstress oder der Rausch eines großen Gewinns. Aber dieser “Rausch” hat einen Preis: Viele Betroffene spielen weiter, obwohl sie Geld verlieren, und geraten in Schulden. Und mit steigenden Schulden wächst der Druck, weiterzuspielen und zu versuchen, das verlorene Geld zurückzugewinnen – ein gefährlicher Teufelskreis.

Anzeichen und Symptome einer Spielsucht

Wie bei jeder Sucht gibt es auch bei der Spielsucht bestimmte Warnzeichen. Dazu gehören: Lügen über das Ausmaß des Spielens, das Vernachlässigen persönlicher Verpflichtungen oder Hobbys zugunsten des Spielens, unerklärliche finanzielle Probleme und ein plötzliches Verschwinden von Wertgegenständen. Darüber hinaus kann eine Person, die spielsüchtig ist, Entzugserscheinungen wie Nervosität und Schlafstörungen erleben, wenn sie versucht, das Spielen einzuschränken oder ganz aufzuhören.

Dabei entwickelt sich eine Spielsucht keineswegs über Nacht. Sie ist stattdessen in drei Phasen einteilbar und damit vergleichbar mit Alkohol- oder Drogensucht.

Die Gewinnphase: Positive Erfahrungen als Auslöser

Eine mögliche anfängliche Gewinnphase ist gekennzeichnet durch ein großes Maß an Euphorie, wenn man einen signifikanten Gewinn erzielt hat. Ähnlich wie Drogenabhängige nach der ersten intensiven Erfahrung des Rausches darauf aus sind, ihn zu wiederholen und wenn möglich zu steigern, intensivieren auch Spielsüchtige ihre Gamblingaktivitäten.

Die Verlustphase: Realitätsverlust und zunehmende Verschuldung

Durch die erhöhten Spielaktivitäten nehmen in der Regel auch die Schulden sprunghaft zu, denn das Casino gewinnt auf lange Sicht immer. Zum erhöhten Spiel kommen oft überhöhte Erwartungen, die nur noch wenig mit der Realität zu tun haben: Betroffene setzen sich plötzlich zum Ziel, ihre finanziellen Verluste durch mehr Spielen einfach wieder auszugleichen. Das eigentlich auf Unterhaltung ausgelegte Glücksspiel wird zu einem Zwang, der keine Freude mehr bereitet. Diese Phase ist besonders zerstörerisch, da sie nicht nur den Spieler selbst betrifft, sondern auch sein direktes Umfeld, einschließlich der Familie.

Die Verzweiflungsphase: Soziale Isolation und Leid

Die Verzweiflung nimmt irgendwann derart zu, dass die dritte Phase komplett von ihr geprägt ist. Die Abhängigen vernachlässigen selbst die simpelsten Aufgaben und geraten in zunehmende Isolation. Der Spieler wird nervös und gereizt, wenn er keine Möglichkeit hat zu spielen. Hinzu kommen erstmals Schuld- und Schamgefühle, die vorher in der Regel ausgeblendet wurden. Letztlich ist es immer größer werdende Leidensdruck, der Menschen ab dieser Phase nach Hilfe suchen lässt.

spielsucht hilfe schweiz
Die Verzweiflungsphase ist der dunkelste Punkt jeder Spielsucht

Wie man jemandem mit Spielsucht helfen kann

Professionelle Hilfe ist der Schlüssel zur Kontrolle über die Spielsucht: In der Schweiz gibt es eine Vielzahl an Beratungsstellen in jedem Kanton. Eine kurze Google-Suche hilft hier bereits weiter. Die wichtigsten Anlaufstellen für Hilfe sind:

Spielsperren sind ein weiterer effektiver Weg, zumindest bei Schweizer Casinos nicht mehr spielen zu können. Da sich Betroffene hier aber oftmals einfach auf ausländische Anbieter konzentrieren, bei denen sie bisher noch keinen Account hatte, empfehlen wir eine Block-Software wie betblocker.org. Hierbei handelt es sich um eine schottische Wohltätigkeitsorganisation, die kostenlos eine spezielle Software zum Download anbietet, mit deren Hilfe man tausende Online-Glücksspielseiten blockiert Das Produkt ist vollständig durch Spenden finanziert und entstand als Reaktion auf die Unzufriedenheit mit der Weiterleitung von Spielern mit Glücksspielsuchtproblemen an kostenpflichtige Blockdienste​.

Ist Spielsucht heilbar?

Nein. Spielsucht ist eine ernsthafte Erkrankung und nicht einfach nur eine charakterliche Schwäche. Die Behandlung hat professionell zu erfolgen und eine vollständige Heilung kann es nie geben – man kann die Sucht allenfalls kontrollieren.